Sinnvoller Saisonkalender für Obst und Gemüse

Themen, die in diesem Artikel behandelt werden:
ObstGemüseSaisonalRegionalNährstoffeVitamineUnverträglichkeit

Man hat ihn schon oft gesehen: Den Saisonkalender für Obst und Gemüse. Die Bundeszentrale für Ernährung informiert hierzu recht umfangreich, es gibt aber mittlerweile so gut wie auf jeder Website, die sich mit Rezepten und Ernährung auseinander setzt, eine eigene Version davon. Die Frage ist, warum es überhaupt einen solchen Saisonkalender braucht. Die Antwort ist: Es gibt ein Überangebot an allen erdenklichen Lebensmitteln zu jeder Zeit im Jahr. Dort den Überblick zu behalten, was tatsächlich aktuell Saison hat und aus der Region kommt, ist extrem schwierig. Jetzt könnten wir hier mit der Moralkeule kommen und sagen, dass auf jeden Fall allein aus klimaökologischer Sicht auf regionales Obst und Gemüse gesetzt werden sollte, um den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Und, dass man sowieso eher auf eine gemüse- und obstlastige Ernährung setzen sollte, allein schon des Klimas wegen. Das könnten wir tun.

Tun wir aber nicht.

Wir beleuchten das Thema mal unter einem anderen Aspekt: Dem Aspekt der Gesundheit und Verträglichkeit von Lebensmitteln. Jede Person, die mit Histaminunverträglichkeit zu kämpfen hat, kann ein Lied davon singen, wie wichtig die Frische bei Obst und Gemüse ist - denn je länger Lebensmittel lagern, desto höher wird ihr Gehalt an Histamin. Aber auch ohne Histaminunverträglichkeit ist es sinnvoll, auf möglichst frische Lebensmittel zu setzen. Warum das Sinn macht? Weil der Nährstoffgehalt am höchsten, und vor allem auch der Geschmack am besten ist zu dem Zeitpunkt im Jahr, an dem das Lebensmittel auch tatsächlich Saison hat. Um das ganzjährig zu gewährleisten, kann man sich das Leben absolut einfach machen und Tiefkühlware kaufen, die erntefrisch verarbeitet wurde. Das ist super, vor allem, wenn man auf Bioware achtet. Auf diese Weise kann man das ganze Jahr über frisches und gesundes Obst und Gemüse konsumieren. Das funktioniert allerdings nicht unbedingt, wenn man ein Rohkostgericht plant (hm, lecker, aufgetauter TK Spinat im Salat…), frisches Obst essen möchte, oder wenn man schlichtweg nicht die Kapazitäten im Gefrierfach hat, um große Mengen dort zu lagern (Kennt ihr diese tollen Gefrierfächer, in die gefühlt nur eine einzige TK Pizza passt?). Wenn man also frische, nicht tiefgefrorene Ware einkaufen möchte, gilt grundsätzlich: Je kürzer die Transportwege von Lebensmitteln, desto frischer kommen sie in den Verkauf. Somit hat saisonales und regionales Obst und Gemüse - soweit frisch geliefert - den niedrigsten Histamingehalt und dabei gleichzeitig den höchsten Nährstoffgehalt.

In diesem Sinne haben wir hier beispielhaft 2 Saisonkalender beigefügt. Die Auflistung in diesen Kalendern ist nicht abschließend, sondern soll einen ersten Überblick vermitteln. Es gibt noch weitere Obst und Gemüsesorten, die hier nicht aufgeführt sind. Des Weiteren gibt es auch Saisonkalender, die sich auf Kräuter spezialisiert haben (Diese sind in diesen Kalendern ebenfalls nicht enthalten). Bei Interesse könnt ihr das selber recherchieren. Wie zuvor geschrieben gibt es mittlerweile eine Menge an Saisonkalendern, die sich auf verschiedenste Themengebiete spezialisiert haben.

Der Kalender der Verbraucherzentrale enthält tatsächlich nur heimische Obst- und Gemüsesorten. Das heißt, diese Sorten können in der entsprechenden Saison ausschließlich aus Deutschland bezogen werden, wenn man das möchte und es darauf anlegt (bitte achtet im Supermarkt immer auf die Herkunft - auch wenn das entsprechende Lebensmittel gerade Saison hat, kann es trotzdem aus EU und Nicht-EU Ländern importiert sein). Dazu auch noch der Hinweis, dass Obst aus Deutschland, das im Winter gekauft werden kann, so gut wie ausschließlich Lagerware ist. Das liegt einfach daran, dass im Winter in Deutschland kein frisches Obst wächst. Das bedeutet also: Histamin!

Link zum Saisonkalender als PDF

Wenn man trotzdem frisches Obst in den Wintermonaten konsumieren möchte ohne auf Lagerware zurückgreifen zu müssen, gibt es dennoch importiertes Obst mit vergleichsweise kurzen Transportwegen. Dieses kann demnach relativ frisch konsumiert werden. Hier müsste ihr natürlich immer schauen, um welches Obst es sich handelt (Ananas und Bananen kommen grundsätzlich aus Südamerika oder Afrika), und wo genau es herkommt (bspw. Zitrusfrüchte und Feigen gibt es aus EU-Ländern wie Italien, Spanien, oder Griechenland, aber eben auch aus weiter entfernten Ländern). Also am besten immer auch auf die Herkunft achten! Wie die Saison für heimisches, sowie importiertes Obst und Gemüse ist, könnt ihr im Saisonkalender des Bundeszentrum für Ernährung sehen.

Link zum Saisonkalender als PDF

Das Schöne an solchen Saisonkalendern ist, dass dort oftmals auch Sorten enthalten sind, die man selber vielleicht noch gar nicht ausprobiert hat.

Wie geht man nun mit diesem Wissen im alltäglichen Zubereiten von Speisen um? Gute Frage! Folgend ein kleines Praxisbeispiel: Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikel war es gerade Dezember. Wie wir nun gelernt haben, gibt es schöne Wintersalate, die man auch im Dezember frisch erhält. Wir wollten einen Feldsalat zubereiten, allerdings ohne den Einsatz von Tomaten, denn die sind ja nur im Sommer frisch verfügbar und im Winter nur unter massivem Einsatz von Energie in Gewächshäusern gezogen (und schmecken dann auch einfach nur nach Wasser…). Wir haben uns dann die Frage gestellt, was denn die Tomaten für eine Funktion im Salat haben? Normalerweise geben sie einen fruchtigen und süßen Ausgleich zu bspw. Essig-Vinaigrettes und dem leicht herben Geschmack von Feldsalat und anderen Salatsorten. Wir stellten fest: Alternativ kann man das auch mit Obst erreichen! Also haben wir uns an Stelle von Tomaten für Birnen im Salat entschieden. Und dazu noch etwas Walnüsse gegeben. Das hat wunderbar funktioniert! Für Menschen mit temporärer Histaminsensitivität macht es vielleicht Sinn, stattdessen auf Tiefgekühlte Beeren zu setzen oder auf frische Granatäpfel (die leider in keiner der Listen enthalten sind). Man könnte das Ganze auch mit gekochten Roten Beeten probieren. Es gibt viele Möglichkeiten, mit denen man auch eher herbere Kohl- oder Salatsorten mit einer süßlich-milden Zutat ausgleichen kann, die gerade Saison hat. Probiert es am besten gleich aus!

Wie integriert ihr Saisonales in bewährte Gerichte? Wie immer freuen wir uns über eure Erfahrungsberichte!

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